Mehrstunden und Überstunden

von Julia Gerstmayer

Aktualisiert: 21.02.2024 Lesedauer: ca 3min

Frau macht Überstunden in einer Töpferei

Du arbeitest mehr, als in deinem Arbeitsvertrag vorgesehen? Dann leistest du entweder Mehrstunden oder Überstunden - je nachdem, wann du mehr arbeitest und was in deinem Vertrag vorgesehen ist. Dabei gibt es Unterschiede zwischen Überstunden und Mehrstunden, die du nicht vernachlässigen solltest. Hier kommen alle Infos zu Überstunden, Mehrstunden, Regelungen und Kompensation. 

Überstunden und Mehrstunden: Der Unterschied 

Mehrarbeit ist (arbeitsrechtlich gesehen) geleistete Arbeit, die über die tägliche Maximalarbeitszeit von 8 Stunden (ohne Pausen) hinausgeht. Diese Zeit muss binnen 24 Wochen, also 6 Monaten, ausgeglichen werden. Es darf also nicht vorkommen, dass du über einen längeren Zeitraum mehr als die tägliche Normalarbeitszeit arbeitest, ohne dafür kompensiert oder ausgeglichen zu werden. Grundsätzlich darfst du insgesamt (ohne Pausen) maximal 10 Stunden am Tag arbeiten, wobei einzelne Tarifverträge Ausnahmen von dieser Regel festlegen (z.B. bei Schichtarbeit oder Bereitschaftsdienst). Das bedeutet dass bei einer Sechs-Tage-Woche maximal 60 Stunden gearbeitet werden darf, wobei die Mehrarbeit rechtzeitig kompensiert werden muss. 

Überstunden sind geleistete Arbeitsstunden, die über deine vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinausgehen. Sie können Mehrarbeit sein, müssen aber nicht (wenn du z.B. Teilzeit arbeitest). Überstunden können finanziell oder durch freie Zeit ausgeglichen werden und müssen, sofern sie Mehrarbeit sind, ebenfalls binnen 24 Wochen vergütet oder ausgeglichen werden - der Überstundenabbau muss also binnen 6 Monaten erfolgen. Überstunden dürfen nur angeordnet werden, wenn einer der folgenden Situationen zutrifft: 

  • Der Arbeitsvertrag gibt der Arbeitgeberin die Berechtigung, Überstunden anzuordnen

  • Der Tarifvertrag gibt der Arbeitgeberin die Berechtigung, Überstunden anzuordnen 

  • Eine Betriebsvereinbarung gibt der Arbeitgeberin die Berechtigung, Überstunden anzuordnen

  • Es wird sich in einer Einzelvereinbarung darauf geeinigt, dass Überstunden angeordnet werden können

Überstundenauszahlung 

Überstunden können finanziell oder mit freier Zeit abgegolten werden. Auf den Modus können sich Arbeitgeberin und Arbeitnehmer im Einzelfall einigen und im Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung festlegen. Dabei ist es jedoch nicht erlaubt, Überstunden pauschal mit dem Gehalt abzugelten. Grundsätzlich haben Arbeitnehmerinnen ein Recht auf finanzielle Kompensation - das bedeutet, dass du auch darauf bestehen kannst, deine Überstunden ausbezahlt zu bekommen, sofern diese angeordnet waren. Angeordnete Überstunden sind beispielsweise, wenn deine Chefin dich bittet, heute länger zu bleiben oder wenn die ganze Firma dazu aufgerufen wird, länger zu arbeiten.

Grundsätzlich müssen Überstunden genauso kompensiert werden, wie deine normale Arbeitszeit auch. Einen Anspruch auf Überstundenzuschlag gibt es demnach nicht. Das ist Verhandlungssache zwischen Arbeitnehmerin und Unternehmen. In den folgenden Fällen ist ein Überstundenzuschlag jedoch verpflichtend: 

  • Der Tarifvertrag legt einen Überstundenzuschlag fest

  • Eine Betriebsvereinbarung legt einen Überstundenzuschlag fest

  • Dein Arbeitsvertrag legt einen Überstundenzuschlag fest

  • Es handelt sich um eine betriebliche Übung, das bedeutet, dass es schon oft so gelebt wurde und demnach Anspruch darauf besteht 

#hokifyexpertentipp: Anders als Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschläge sind Überstundenzuschläge nicht steuerfrei. Es müssen also Sozialabgabe und Steuern gezahlt werden. 

Muss ich Überstunden machen? 

Nein. Deine Arbeitgeberin besitzt zwar ein Weisungsrecht (sie darf dir also grundsätzlich sagen, was zu tun ist), das beschränkt sich jedoch auf die im Arbeitsvertrag festgelegten Arbeitszeiten. Du kannst also grundsätzlich ablehnen, Überstunden zu leisten, hast aber auch kein Recht darauf. Arbeitest du also freiwillig länger, ohne das mit deiner Arbeitgeberin abgeklärt zu haben, heißt das nicht, dass du automatisch mehr Gehalt bekommst. 

Schwangere, stillende Mütter und Minderjährige dürfen keine Überstunden leisten. 

#hokifyexpertentipp: Die einzige Ausnahme von dieser Regel sind Notsituationen wie Naturkatastrophen, Pandemien oder Ähnliches. In diesem Fall darf deine Arbeitgeberin dir Überstunden anordnen und du bist verpflichtet, sie zu leisten. Das kommt jedoch realistischerweise extrem selten vor. 

Fazit

Während Überstunden über deine vertraglich festgelegte Arbeitszeit hinausgehen, gehen Mehrstunden über die gesetzlich festgelegte Normalarbeitszeit von 8 Stunden am Tag hinaus. Du darfst maximal 10 Stunden pro Tag arbeiten, also 8 Stunden Normalarbeitszeit plus zwei Überstunden. Mehrarbeit muss binnen 24 Wochen ausgeglichen werden und kann entweder ausbezahlt oder durch Zeit abgegolten werden.

Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Alle Personenbezeichnungen sind demnach geschlechtsneutral zu verstehen.

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