Tarifvertrag - was ist das?

von Julia Gerstmayer

Aktualisiert: 21.02.2024 Lesedauer: ca 2min

Tarifparteien bei den Tarifvertragsverhandlungen

Ein Tarifvertrag ist eine Vereinbarung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, der die Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern regelt. In Deutschland fallen knapp drei Viertel aller Arbeitsverhältnisse in einen Tarifvertrag und betreffen dementsprechend einen Großteil der Arbeitnehmerinnen.

Was ist ein Tarifvertrag? 

Tarifverträge sind eine Vereinbarung zwischen Arbeitnehmervertretern, also Gewerkschaften, und Arbeitgebervertretern, die die Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern einer gewissen Branche festlegen. Sie definieren sozusagen die Spielregeln für einzelne Arbeitsverträge und gelten entweder für eine ganze Branche oder für das Unternehmen, das den Tarifvertrag direkt mit der Gewerkschaft geschlossen hat. 

Für wen gelten Tarifverträge? 

Tarifverträge gelten für alle, die Mitglied bei den jeweiligen Vertretungen sind. Auf Arbeitnehmerseite ist das die Gewerkschaft, auf Arbeitgeberseite die Arbeitgebervereinigung. Damit gilt der jeweilige Tarifvertrag der Branche automatisch. Unternehmen können auch direkt mit der Gewerkschaft einen Tarifvertrag abschließen, der dann für dieses Unternehmen und seine Beschäftigten gilt. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, durch eine Allgemeinverbindlichkeitserklärung den Tarifvertrag für alle fachlich und örtlich relevanten Unternehmen bindend zu machen. Dann werden auch Unternehmen, die bisher nicht tarifgebunden waren, dem Tarifvertrag unterworfen. Außerdem kann durch eine Klausel im Arbeitsvertrag (“Es gilt der Tarifvertrag”) der Tarifvertrag auch für Personen geltend gemacht werden, die nicht zur Gewerkschaft gehören. Existiert ein Tarifvertrag, wenden die meisten Unternehmen den Tarifvertrag direkt auf alle Beschäftigten an. 

Was regelt der Tarifvertrag? 

Je nach Art des Tarifvertrags legen Tarifverträge unterschiedliche Dinge fest. Gehalts- und Lohntarifverträge legen Gehaltsklassen und Mindestlöhne fest, während Manteltarifverträge Rahmenbedingungen wie Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch, Kündigung und Zuschläge regeln. Zusätzlich können gesonderte Tarifverträge zu bestimmten Themen, beispielsweise Urlaub, Ausbildung oder Vorruhestand abgeschlossen werden. Informiere dich also darüber, welche Tarifverträge in deinem Unternehmen gelten und was sie aussagen. 

Was ist der Vorteil eines Tarifvertrags? 

Durch die gemeinsamen Verhandlungen der beiden Tarifvertragsparteien haben Arbeitnehmerinnen einerseits eine stärkere Verhandlungsbasis und andererseits wird viel Zeit und Energie gespart, weil nicht jeder Vertrag einzeln verhandelt werden muss. Außerdem tragen die Tarifverträge dazu bei, dass keine zu großen Gehaltsunterschiede zwischen Arbeitnehmerinnen aufkommen und sie stellen sicher, dass für alle Beschäftigten dieselben Rahmenbedingungen gelten. Meist sind in Tarifverträgen bessere Konditionen für Arbeitnehmerinnen ausgehandelt, als es das Gesetz vorschreiben würde. Es kann also gut sein, dass du beispielsweise wegen deines Tarifvertrags ein höheres Gehalt oder mehr Urlaubsanspruch bekommst, als gesetzlich vorgesehen. 

Wo kann ich meinen Tarifvertrag einsehen? 

Entweder liegt dein Tarifvertrag im Unternehmen auf oder du suchst online danach. Die Tarifdatenbank ist eine Sammlung des Statistischen Bundesamts, in der viele Tarifverträge kostenlos zu finden sind. 

Fazit 

Tarifverträge regeln die Rahmenbedingungen von Arbeitsverträgen in einer gewissen Region und Branche. Sie sind sozusagen die Basis des Arbeitsvertrags. Meist legen sie Gehälter und Löhne, aber auch Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch und Ähnliches fest. Tarifverträge gelten für Mitglieder der Arbeitgeberverbände und Mitglieder der Gewerkschaft. Das hat den Vorteil, dass es klare Richtlinien gibt, an die sich alle halten müssen und dass nicht jeder Arbeitsvertrag komplett neu einzeln ausgehandelt werden muss. Außerdem bieten Tarifverträge oft bessere Konditionen für Arbeitnehmerinnen.

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