Jobsuche und Bewerbung - Infos für Geflüchtete

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13.01.2021

Seit 2015 haben ca. 120.000 geflüchtete Menschen in Österreich einen rechtskräftigen Aufenthalt (Asyl oder subsidiären Schutz) bekommen (BMI Asylstatistik). Damit sind sie österreichischen Staatsbürgerinnen am Arbeitsmarkt gleichgestellt und haben einen freien Zugang zu Jobs. Doch um den richtigen Job zu finden gibt es einige Dinge zu beachten. 45 Prozent der Geflüchteten haben bereits einen Job in Österreich gefunden (AMS). Das ist eine beachtliche Zahl im europäischen Vergleich! Für alle die noch auf der Suche sind gilt: Dranbleiben und weitermachen! Am Arbeitsmarkt sind motivierte und engagierte Mitarbeiterinnen immer gefragt.

Im folgenden Artikel erklären wir alles rund um die Jobsuche beziehungsweise Bewerbung und was geflüchtete Menschen dabei beachten sollten: Von Tipps wo und wie man nach Jobs sucht bis hin zu den rechtlichen Rahmenbedingung erklären wir alles übersichtlich und auf einen Blick.

Wo und wie suche ich nach passenden Jobs?

Im ersten Schritt ist es wichtig sich darüber klar zu werden, nach welchem Job man genau sucht:

  • In welchen Bereichen habe ich Vorkenntnisse oder bereits Arbeitserfahrung? 

  • Welche Qualifikationen bringe ich mit? 

  • Werden meine im Heimatland erworbene Qualifikationen in Österreich anerkannt? 

  • Wie gut ist mein Deutsch-Niveau? Muss ich mein Sprachniveau noch verbessern?

  • Suche ich einen langfristigen Arbeitsplatz oder will ich kurzfristig Geld verdienen?

  • In welchen Bereichen kann ich mich fortbilden, um bessere Chancen auf einen Job zu bekommen?

Eine professionelle Beratung und Begleitung, etwa von MTOP | MORE THAN ONE PERSPECTIVE kann dabei helfen, diese grundsätzlichen Fragen zu klären. Gleichzeitig sollten alle Möglichkeiten vorhandene Kompetenzen zu vertiefen genutzt werden. Geflüchteten Menschen steht ein breites Angebot an Ausbildungsangeboten zur Verfügung. Hier können oft in kurzer Zeit wertvolle Qualifikationen und Kenntnisse erworben werden, die sich positiv auf Jobchancen und Gehalt auswirken.

Entscheidet man sich dafür, nach einer Arbeitsstelle zu suchen, ist es wichtig die richtige Job-Plattform für die Jobsuche auszuwählen. Je nach Suchkriterien eignen sich unterschiedliche Kanäle zur Suche. Die wichtigsten Plattformen in Österreich sind:

karriere.at, AMS eJob-Room, hokify.at

Was sind die drei größten Herausforderungen bei der Bewerbung?

Bei der Bewerbung gibt es vor allem drei zentrale Punkte, die man beachten muss: Welche Bewerbungsunterlagen brauche ich? Wie erstelle ich meine Bewerbung? Wie kommuniziere ich mit einem potentiellen Arbeitgeber?

  1. Welche Bewerbungsunterlagen brauche ich?

Unbedingt benötigt wird ein tabellarischer Lebenslauf, absteigend geordnet, das bedeutet die letzte Erfahrung wird ganz oben angeführt, mit allen aktuellen Kontaktdaten. Zudem wird in Österreich oft ein Motivationsschreiben oder Anschreiben verlangt. Wichtige Zeugnisse sollten übersetzt werden. Wenn Arbeitszeugnisse vorhanden sind, sollten diese mitgeschickt werden. Wichtig: Beachtet werden sollten vor allem die Dateiformate der Unterlagen: für den Lebenslauf eignet sich ein PDF-Format, für Scans und Fotos PNG oder JPG-Formate. Nicht gerne gesehen sind hingegen Word Dokumente, diverse Downloadlinks oder abfotografierte Lebensläufe.

Expertentipp #1: Auf jeden Fall  in den Lebenslauf schreiben, dass man freien Zugang zum Arbeitsmarkt hat und damit direkt angestellt werden kann. Bei Drittstaatsangehörigen gibt es oft langwierige Prozesse um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Hat jemand Asyl oder subsidiären Schutz kann die Person direkt angestellt werden.

  1. Wie erstelle ich meine Bewerbung?

Bei der Erstellung einer Bewerbung sollten einige grundlegende Formalitäten beachtet werden. Einen guten Eindruck kann man hinterlassen, wenn eine Bewerbung an die richtige (personalverantwortliche) Person gerichtet ist. Falls ein Motivationsschreiben erstellt wird, muss dieses auf den Job abgestimmt und individuell sein. Vorgefertigte Schreiben oder Vorlagen aus dem Internet kommen bei Personalverantwortlichen nicht gut an. Rechtschreibfehler müssen unbedingt vermieden werden, bestenfalls sollte jemand mit guten Deutschkenntnissen die Bewerbung noch einmal gegenlesen, auch online Prüfprogramme können hier helfen. Alle Unterlagen sollten jedoch authentisch und selbst verfasst sein - wenn eine Bewerbung nicht selbst formuliert wurde, fällt das meist negativ auf.

  1. Wie kommuniziere ich mit Arbeitgebern und Personalverantwortlichen?

Einfach eine E-Mail mit den Bewerbungsunterlagen zu versenden reicht in den meisten Fällen nicht aus. Im Gegenteil akzeptieren viele Unternehmen Bewerbungen via E-Mail mittlerweile gar nicht mehr. Eine kurze Recherche, wie man sich bei einem Unternehmen richtig bewirbt ist sehr hilfreich. Die gängigsten Bewerbungsprozesse laufen entweder über Firmen-Karriereseiten, hier wird die Bewerbung über ein Online-Formular erstellt oder über eine externe Job-Plattform, wie etwa hokify, bei der ein zentrales Bewerbungsprofil angelegt wird. Bewirbt man sich nicht über die gewünschten Kanäle, können Firmen die Bewerbung oft nicht berücksichtigen. 

Erwartungshaltung und Feedback?

Nicht jede Bewerbung, die man versendet, führt zum Erfolg. Tatsächlich kann sich eine Bewerbungsphase mehrere Wochen, manchmal auch Monate, hinziehen. Es dauert bis der richtige Job gefunden ist. Es ist wichtig eine gesunde Erwartungshaltung zu entwickeln und auch bei mehreren Absagen nicht die Nerven zu verlieren. Einen einfachen Grundsatz den man befolgen kann ist bei Bewerbungen auf Qualität zu setzen: Sind alle Unterlagen vollständig, der Lebenslauf komplett und ordentlich formatiert steigen die Chancen auf eine Einladung zum Bewerbungsgespräch deutlich. Selbiges gilt auch für ein seriöses Bewerbungsfoto. Ziellos Bewerbungen zu versenden führt hingegen so gut wie nie zum Erfolg.

Für einen Kurzcheck zu jeder Bewerbung kann man sich folgende Fragen stellen:

  • Spiegelt die Bewerbung meine Persönlichkeit und Motivation wieder?

  • Sind meine Bewerbungsunterlagen seriös und vollständig?

  • Habe ich mich für eine Position beworben, die ich realistischerweise auch besetzen kann?

  • Erfülle ich alle notwendigen Qualifikationen?

  • Sind in meiner Bewerbung irgendwelche offensichtlichen Fehler enthalten?

Wenn man diese Fragen “positiv” beantworten kann macht es Sinn, sich für eine Stelle zu bewerben. Wenn mehrere Fragen “negativ” beantwortet werden, sollte man sich überlegen, ob man seine Energie nicht für die Bewerbung bei einer anderen Stelle aufwenden sollte.

Jeder bekommt im Laufe seiner Stellensuche auch eine Reihe von Absagen, das ist Teil der Jobsuche. Hat man gar keine Ahnung, warum es mit der eigenen Bewerbung nicht geklappt hat, kann man vom Unternehmen, bei dem man sich beworben hat, Feedback einfordern: Die einfache Frage, warum es für diesen Job nicht gereicht hat, ist nie unangebracht. Die Gründe dafür können vielfältig sein, auf wenige hat man einen direkten Einfluss. Es ist jedoch wichtig zu wissen, woran eine Bewerbung gescheitert ist. Das bietet die Chance es beim nächsten Mal besser zu machen!

Erfolgsstory aus der Praxis: Rama

“Die Sprache zu erlernen war eine große Herausforderung. Aber ich wusste, dass ich möglichst rasch Deutsch lernen musste, um eine Chance am österreichischen Arbeitsmarkt zu bekommen.” Wie Rama zum richtigen Job gefunden hat könnt ihr in der Erfolgsstory von Rama nachlesen.

Bewerbungstipp #1. Nochmal nachfragen und nochmal bewerben!

Nur weil eine Bewerbung für einen Job in einem Unternehmen nicht geklappt hat, heißt das nicht, dass eine andere Position nicht vielleicht besser passt. Also: Einfach nochmal nachfragen, ob derzeit eine ähnliche Position frei ist beziehungsweise es nach ein paar Wochen nochmal versuchen und sich bei der selben Firma bewerben. Das zeigt Motivation!

Bewerbungstipp #2. Vorstellungsgespräch vorbereiten

Ein einfacher aber besonders wichtiger Tipp! Wenn man es zum Vorstellungsgespräch schafft ist die größte Hürde bereits genommen. Je besser man vorbereitet ist, desto größer sind die Chancen für einen positiven Ausgang. Was man unbedingt vorbereiten sollte: Infos zum Unternehmen und Gesprächspartner und gleichzeitig sollte man abklären, ob der Job eigentlich für einen selbst in Frage kommt.

Erfolgsstory aus der Praxis: Ghiath

“Ich musste mich auch erst daran gewöhnen, dass die Menschen in Österreich in der Arbeitswelt größere Distanz zueinander wahren. In Syrien ist die Wirtschaft kleiner strukturiert, oftmals sehr familiär und Arbeitskollegen sind schnell auch Freunde.” Wie Ghiath den Schritt ins Berufsleben geschafft hat könnt ihr in seiner Erfolgsstory nachlesen.

Fazit - Optimal durch die Bewerbungszeit

Jobanzeigen suchen, filtern und sinnvoll entscheiden wofür man sich bewirbt, die eigenen Bewerbungsunterlagen anpassen und verschicken. Dann heißt es, auf eine Antwort warten! Auch mit Absagen muss man rechnen. Das ist oft frustrierend, so geht es aber allen, die auf Jobsuche sind. Das Motto heißt: Dran bleiben und weiter machen! Das fällt in der Gruppe übrigens leichter. Such dir 3-4 Freunde, die in der gleichen Situation sind und geht gemeinsam durch diese Zeit. Vielleicht findest du bei deiner Suche Jobs, die auch für einen deiner Freund*innen relevant sind - so könnt ihr euch untereinander auf passende Stellen aufmerksam machen. Tauscht euch aus: Hey, habe heute endlich eine positive Rückmeldung erhalten. Das geht bei dir auch. Schick heute auch noch ein paar Bewerbungen raus!

Gegenseitige Motivation ist ansteckend und auch frustrierende Momente sind geteilt einfacher. Also trommle ein paar Freunde zusammen und legt gemeinsam los!

Infobox zu MTOP:

MTOP | MORE THAN ONE PERSPECTIVE ist ein Social Business, das seit knapp 5 Jahren wirkungsgetriebene Projekte in den Bereichen Arbeitsmarktintegration, Inklusion und Bildung umsetzt. Das älteste MTOP Projekt ist das MTOP Associate Programm, das gut qualifizierte Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund aus den Bereichen Wirtschaft, Technik und IT in einem 6-monatigen Weiterbildungsprogramm auf ihrem Weg in den österreichischen Arbeitsmarkt begleitet. Dabei steht die Philosophie bestehende Potentiale und Kompetenzen zu nutzen im Vordergrund. Ziel ist es, Associates (Teilnehmer*innen des Programms) so an den Arbeitsmarkt heranzuführen, dass sie an bestehende berufliche Erfahrungen und Bildungsabschlüsse anknüpfen können. Seit 2016 hat MTOP mehr als 300 Menschen begleitet, wovon 80% das Programm wärmstens weiterempfehlen.

MTOP verfolgt in all seinen Projekten einen holistischen Ansatz. Dementsprechend knüpfen an das MTOP Associate Programm auch MTOP Connect und die MTOP Experience an.

MTOP Connect setzt direkt an der Schnittstelle zwischen Unternehmen und Associates an und agiert als Bindeglied dieser beiden Welten. Als Personalvermittlung mit sozialem Mehrwert baut MTOP laufend ein Unternehmensnetzwerk auf und aus, leitet Interviewprozesse ein und begleitet beide Seiten in den ersten Wochen nach Jobeinstieg, um einen gelungenen Jobstart zu garantieren. Seit 2016 hat MTOP mehr als 200 Jobinterviews möglich gemacht. Knapp 70% der MTOP Associates sind nach dem MTOP Associate Programm am Arbeitsmarkt durchgestartet und 80% der Associates im Job arbeiten in ihrem Bereich und sind mit ihrem Job zufrieden oder sehr zufrieden.

Die MTOP Experience will Diversität und Inklusion systemisch in Unternehmen etablieren und setzt dabei bei Führungskräften an. Die MTOP Experience ist ein Mitarbeiter*innen-Entwicklungsprogramm mit Sinn, das Social und Inclusive Leadership-Skills stärkt. Junge Führungskräfte werden auf inklusive Teamführung vorbereitet und können inklusive Führungsstile von einigen Tagen über mehrere Wochen in einem geschützten Rahmen ausprobieren. Bisher haben 32 Führungskräfte aus 14 Unternehmen von der MTOP Experience profitiert. 

Mehr Infos zu MTOP gibt es hier: mtop.at oder facebook.com/morethanoneperspective

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